Spontan berühren mich Krebbers Objekte wegen ihrer Einfachheit – es geht um das Einfache im Gegensatz zum Vielfältigen, Komplizierten, Filigranen. Es sind menschen- und naturgemäße Formen, die dennoch das gewohnte Maß durchbrechen. Es handelt sich um monochrome Gegenstände, fast archaisch anmutend, dennoch in zeitgemäßen Materialien, gebrochen durch Schnitte, Falten, Ausbeulungen, eben Brüche und Brechungen – „verfremdet“, um die Sprache Bert Brechts zu verwenden. Die Titel wie Kreis, Seife, Stöcke, Tafel, Dose klingen beruhigend einfach, der Betrachter, im Bauch angesprochen, wird gleichzeitig eigenartig irritiert.
Überraschendes fällt einem ein und auf an diesen überlebensgroßen Kunstwerken. Obwohl Gereon Krebber behauptet, Witze, wenn sie ihm erzählt werden, als solche gar nicht zu erkennen, strahlen seine Arbeiten nicht nur Originalität, sondern Sinn für Humor aus, hinterkünftigen Humor würden wir in Bayern sagen. Er nimmt den Kunstbetrachter buchstäblich auf den Arm, wenn er ihn kurz vor der Fußball-WM, die ja auch zum kulturellen Ereignis hochstilisiert werden soll, mit seinen Bällen mit Falten konfrontiert. (...) Eines der Kunstobjekte, das aussieht wie ein umgekehrt hängendes Keilkissen, trägt den Titel „Lost“. Mir kam die spontane Assoziation: Lost Paradise. Das verlorene Paradies, die Unschuld, nach der wir uns sehnen, die wir aber nicht wirklich leben müssen wollen. Dies schwingt mit, wenn wir uns den glänzenden Stücken und Stöcken aussetzen, ihrer geheimnisvollen Botschaft lauschen, die sie uns zuraunen in der sympathischen Monströsität ferner Universen, deren Bewohner die Grundstrukturen menschlicher Gebrauchsgegenstände mit den Ungenauigkeiten galaktischer Übermittlung nachgebaut haben, mit von uns nicht ganz zu identifizierenden Grundstoffen: Eine einfachere Zukunft als unsere kompliziert gewordene Welt, die uns Tag für Tag vor die Notwendigkeit der Wahl und Auswahl stellt. Die Sehnsucht nach dem einfachen Ganzen wird augenzwinkernd dargeboten, weil der Künstler – wie wir alle anderen auch – weiß, das es eine Sehnsucht bleiben wird, die in dieser zerbrochenen Welt nur in der Phantasie Realität werden kann. Auszug aus: Rede von Anselm Bilgri, Zentrum für Unternehmenskultur, München Zur Verleihung des Phönix-Kunstpreis 2005, artforum Berlin |